Die Manuelle Lymphdrainage nach Brustkrebsoperation - ein Stiefkind der Onkologie?!

Daniela Seibert (AG Lymphologie)


Die Manuelle Lymphdrainage (ML) nach Brustkrebsoperation ist immer noch ein Stiefkind der Medizin.Sie wurde von Dr. Vodder entwickelt und seinen ehemaligen Mitarbeitern Asdonk und Földi wesentlich verbessert.
Viele Ärzte und auch Patienten sehen nicht einmal die Notwendigkeit der Verordnung. Die gesamte onkologische Fachliteratur scheint dieses Thema bis auf vereinzelte Hinweise überhaupt nicht zu kennen.


Selbst die Verordner wissen oft nicht mehr über die ML als die Adresse der physiotherapeutischen Praxis um die Ecke und die Ärzte im Krankenhaus mit hauseigener physiotherapeutischer Abteilung oft nicht mehr als den Namen der Therapeutin.
Seit die Krankenkassen die ML bezahlen, sprießen die Therapeuten wie die Pilze aus der Erde. Fast jede physiotherapeutische Praxis oder Abteilung weist in ihrem Therapieangebot die ML aus.
Die besondere Problematik besteht aber darin, dass in den meisten Fällen nur ein oder wenige Mitarbeiter die Ausbildung absolviert haben und das Praxisschild keinen Rückschluss auf den kompetent ausgebildeten Therapeuten zulässt.


Dieses ist aber von evidenter Bedeutung, da durch unsachgemäße ML durchaus ein
manifestes Lymphödem provoziert werden kann.
Ebenso wie die Anzahl der ML-Therapeuten zunimmt, nimmt proportional auch die Anzahl der Ausbildungsstätten zu. Und je mehr diese Schulen in Konkurrenz zu einander stehen, umso mehr besteht die Gefahr, dass das Ausbildungsniveau darunter leidet, weil Wochenendkurse oder Wochenkurse an Ferienorten, wie Mallorca sicher attraktiver sind, als eine kontinuierliche Ausbildung, die mit beruflichem Ausfall verbunden ist.
Auch dürften Wochenendkurse ohne kontrollierten Einsatz am Patienten ohnehin einer
gewissen Fragwürdigkeit hinsichtlich der sicheren Behandlung unterliegen.
Die Ausbildung der Manuellen Lymphdrainage für Physiotherapeuten und Masseure ist zwar in Deutschland mit 180 Stunden genau geregelt, doch ist es sicherlich mit der Kenntnis des Behandlungsablaufes allein nicht getan.


Da die ML eine prophylaktische Therapie zur Vermeidung eines postoperativen Lymphödems ist, sollte der ML-Therapeut auch in der Lage sein, nicht nur das beginnende Lymphödem schon in den ersten Ansätzen von vermehrter Eiweißablagerung durch eine gewisse Tastsensibilität zu erkennen, sondern auch ausreichende Kenntnis über die komplexe physikalische Lymphödemtherapie (KPL) haben, damit ein Lymphödempatient rechtzeitig an entsprechend kompetente Spezialisten verwiesen wird. Auch ist es sinnvoll, dass ein Patient möglichst nur von ein und demselben Therapeuten behandelt wird, damit tastbare Veränderungen frühzeitig wahrgenommen werden.


Auch die Frage medikamentöser Begleittherapien scheint einer dringenden
Aufklärung zu bedürfen. Es kommt immer noch vor, dass Patienten mit Lymphödemen mit Diuretika behandelt werden und Fangopackungen auf die Schulterpartie und Massagen an der betroffenen Extremität durchgeführt werden. Selbst die seltenen Fälle solcher unverantwortlichen Maßnahmen sind Anlass genug, mehr Aufklärung zu betreiben.
All diese Maßnahmen müssen als lymphologische Kunstfehler eingestuft werden. Fragen der Patienten nach Saunagängen, Urlaub in heiße Länder und Ganzkörper- hyperthermie werden von vielen Ärzten und Lymphtherapeuten gleichermaßen unsicher und widersprüchlich beantwortet, sodass die Patienten selbst die Unkenntnis der Verordner und ML-Therapeuten spüren.


Die NATUM, bzw. der Arbeitskreis LYMPHOLOGIE der NATUM versucht in Zusammenarbeit mit anderen Experten die Aufklärung für Therapeuten und Patienten intensiv zu fördern.

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