Gibt es eine orale oder parenterale Möglichkeit ein postoperatives Lymphödem nach Mamma-Ca. zu beeinflussen?

Daniela Seibert/Dr. Bernhard Ost

Spielt die Ernährung eine Rolle bei der Entstehung oder Therapie des Lymphödems?

Bisher konnten keinerlei Beweise in dieser Richtung dargelegt werden. Eine spezielle Kost für Lymphödempatienten oder zur Prophylaxe gibt es nach bisherigen wisenschaftlichen Erkenntnissen nicht. Inwieweit allerdings Defizite von lebenswichtigen Nährstoffen infolge von Mangel- oder Fehlernährung eine begünstigende Rolle beim Lympödem spielen, gibt es ebenfalls keinerlei Untersuchungsergebnisse. Bei allen Ödemen spielen die osmotischen Verhältnisse eine zentrale Rolle.

Diese werden durch die regionalen oder auch systemischen disharmonischen Konzentrationen von Eiweißen und Elektrolyten begünstigt und auch verursacht. Eine ausgewogene Mischkost, die reich an Vitaminen, Spurenelementen, natürlichen Enzymen und Aminosäuen ist, stellt eine vernünftige Basisernährung dar. Als hypothetisches Risiko für ein Lymphödem im Sinne eines Additionseffektes kann man Übergewicht und salzreiche Kost ansehen. Bei Übergewicht ist eine Gewichtsreduktion unbedingt anzustreben.

Bei einem Lymphödem sollte auf jeden Fall eine kochsalz- und proteinarme Kost angestrebt werden. Diuretika sind bei einem postoperativem Lymphödem nach Mamma-Ca absolut kontraindiziert, da sie zwar Wasser entziehen aber keinen Einfluß auf die abgelagerten Eiweisse haben. Durch den Wasserentzug kommt es anschließend über die zurück gebliebenen Eiweissablagerungen zu einer Steigerung des osmotischen Soges und einer Verstärkung des Lymphödems. Dennoch geben einige medizinische Lehrbücher diese Therapieempfehlungen immer noch heraus. Das Lymphödem wird in einigen Lehrbüchern und Nachschlagewerken häufig unter dem Oberbegriff “ÖDEME” mit aufgeführt und hinsichtlich der Therapie-empfehlungen selten isoliert behandelt. Insofern wundert es nicht, daß immer noch Diuretika beim Lymphödem verordnet werden.

Einen effektiven Einfluß auf die Umfangsreduktion eines Lymphödems scheint die Gabe von Natriumselenit zu haben, wie Untersuchungen von Prof. Schrauzer (San Diego), Priv. Doz.Dr. med.Brenke (Chefarzt Kreiskrankenhaus Simbach) und Dr. Kassroller ( ärztl. Leiter Walchsee-Alpenbad ) belegen.

Unter den verschiedenen Selenverbindungen zeichnet sich Natriumselenit wegen seiner raschen Absorption und eines schnellen Wirkungseintritts aus und wird deswegen beim akuten und auch chronischem Lymphödem vorgezogen, wobei im prophylaktischen Bereich auch andere Selenverbindungen (z.B. Selenhefen) ihren Platz haben.

Den Wirkmechanismus erklärt man sich über die Reduktion der im Lymphödem vermehrten freien Radikalen durch die antioxidative Wirkung des Selens. Als Ursache für die vermehrten freien Radikalen im Lymphödem nimmt man einen lokalen Sauerstoffmangel an. Die verstärkte Bildung freier Radikale sowie deren Folgeprodukte werden für die sekundären Gewebsschädigungen mitverantwortlich gemacht. Die freien Radikalen erhöhen die vaskuläre Permeabilität und verstärken dadurch das Ödem.

Eines der wichtigsten antioxidativen Schutzsysteme des Organismus ist die selenabhängige Glutathionperoxidase. Da Patienten mit Lymphödemen einen deutlich erniedrigten Selenspiegel im Blut haben, ist auch die Aktivität der Gutathionperoxidase herabgesetzt. Einen schnelleren Wirkungseintritt erzielt man durch die parenterale Gabe von Natriumselenit. In den oben genannten Pilotstudien wurden initial über ca. 1 Woche zwischen 600 bis 1000 Mikrogramm täglich gegeben und in 2 bis 3 Folgewochen zwischen 300 bis 400 Mikrogramm. Als Erhaltungsdosis (oral) wurden 100 bis 200 Mikrogramm vorgeschlagen.

Ebenso sagt man den Proteasen (z.B. Wobenzym) eine Wirkung auf die Ödemminderung nach. In einer vergleichenden Studie (M. Korpan MMV- Taschenbuch /Med. Verlag München /Systemische Enzymtherapie)) wurde´Wobenzym gegen Diuretika beim Lymphödem nach Mamma-Ca getestet, wobei in der Wobenzym-Gruppe eine signifikant bessere Ödemrückbildung gegenüber der Diuretika-Gruppe erzielt wurde. Dieses ist insofern nicht verwunderlich, da Diuretika nach heutigem Wissensstand, wie bereits erwähnt, eine absolute Kontraindikation darstellen und das bestehende Lymphödem verstärken können.

Es ist aufgrund der Proteasenwirkung durchaus zu unterstellen, daß mit diesen Substanzen eine wirkungsvolle Ödemtherapie betrieben werden kann, jedoch muß die vergleichende Studie mit Diuretika als nicht aussagefähig beurteilt werden.

Weiterhin scheinen Antioxidantien in diesem Zusammenhang ebenfalls eine sinnvolle Begleittherapie darzustellen.Ansonsten wird auf medikamentöser Ebene versucht, duch Gaben von Bioflavonoiden wie Rutin die Kapillaren zu stabilisieren und mit den Vitaminen B3 und B6 sowie Cumarinderivaten den Abbau von Eiweißkörpern zu fördern und die kollateralen Lymphabflußwege anzuregen.

Betont werden muss aber noch einmal ausdrücklich, dass alle oben genannten Maßnahmen nur adjuvanten Charakter zur unverzichtbaren physikalischen Ödemtherapie haben.

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