Endometriose - Komplementäre Therapieansätze

Dr. Anja Maria Engelsing

Endometriose ist eine der häufigsten gutartigen gynäkologischen Erkrankungen. Die Diagnosestellung bedeutet für die betroffenen Frauen oftmals Fluch und Segen zugleich. Segen, weil mit der Diagnose-Findung eine häufig vieljährige Odyssee von massiven Schmerzen und Menstruationsbeschwerden, für die es keinen Grund zu geben schien, zu Ende geht: Das Kind hat nun einen Namen. Fluch, weil die Diagnose Endometriose bedeutet, mit einer chronischen Krankheit mit heterogenem, schwer vorhersehbaren Verlauf leben lernen zu müssen.

Ein umfassendes therapeutisches Konzept bietet den betroffenen Frauen neben den Möglichkeiten der operativen und hormonellen Therapie auch komplementäre Maßnahmen der Beschwerdelinderung und Heilung an.

Dazu zählt zunächst einmal, ganz im Sinne der Ordnungstherapie, eine ausführliche Beratung über Lebensführung und Ernährung:
Regelmässiger, leichter Ausgleichssport, wie zum Beispiel das Nordic Walking, lindert die Dysmenorrhoe und reduziert die Rezidiv-Wahrscheinlichkeit der Endometriose. Entspannungsverfahren wie Yoga, Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen helfen, mit den endometriose-bedingten Beschwerden besser umgehen zu können.
Die wissenschaftlich gesicherte Endometriose-Ernährung gibt es nicht. Allerdings scheint ein weitgehender Verzicht auf Milchprodukte ebenso wie auf Zucker sehr hilfreich zu sein. Nahrungsmittel, die reich an ungesättigten, essentiellen Fettsäuren sind, greift limitierend in den Entzündungs-Schmerz-Kreislauf ein. Empfehlenswert in diesem Sinne sind hochwertige Pflanzenöle wie Walnussöl und Leinöl sowie Nüsse und Salzwasserfettfische. Generell gilt: Ein Speiseplan mit weniger tierischen und mehr pflanzlichen Lebensmitteln, und eine insgesamt ausgewogene, vollwertige Ernährung können helfen, die Endometriose-Beschwerden zu lindern und dem Fortschreiten der Erkrankung vorzubeugen.

Alle komplementären Heilverfahren, die die Eigenregulation des Organismus unterstützen und damit die Selbstheilungskräfte aktivieren, sind hilfreich in der umfassenden Behandlung einer Endometriose-Erkrankung.

In diesem Sinne kann die Homöopathie als streng individuelle, auf die betroffene Frau ausgerichtete Therapieoption helfen, die Beschwerden der Endometriose zu lindern und auch das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen oder gar zu verhindern. Dieses konnte in einer Studie von Schantz et al. in Heidelberg (2004) mit Signifikanz gezeigt werden. Dabei versucht die symptombezogene homöopathische Verschreibung, konkrete Beschwerden zu lindern. Die konstitutionelle, klassische Homöopathie behandelt hingegen die betroffene Frau in der Gesamtheit ihrer Beschwerden, berücksichtigt sonstige Erkrankungen, die individuelle Biographie und Eigenanamnese ebenso wie die Familien- und Sozialanamnese. Dieses ermöglicht ein sehr viel umfassenderes Herangehen an die spezifische Beschwerde-Symptomatik und bedingt bei einer so komplexen, chronischen Erkrankung wie der Endometriose eine deutlich bessere Erfolgsaussicht, als das rein symptomatische Vorgehen. Häufig gegebene homöopathische Einzelmittel sind Calcium fluoricum, Colocynthis, Lachesis, Natrium muriaticum, Pulsatilla, Sepia, Silicea und Thuja. Diese werden nur nach einer eingehenden Anamnese von dementsprechend erfahrenen Therapeuten ausgewählt und verordnet.

Die Akupunktur wirkt ähnlich umfassend. Sie wird symptomatisch vor allem zur Schmerzlinderung eingesetzt. Ursächlich und damit nicht nur der Symptomlinderung, sondern der Heilung dienend, gehört auch die Akupunktur in der Endometriose-Therapie nur in die Hand Erfahrener und kommt häufig kombiniert mit den Kräutern der Traditionell Chinesischen Medizin zur Anwendung.

Auch die Neuraltherapie, das lokale, segmentale und ganglionäre Quaddeln mit Lokalanästhika, ebenso wie die neuraltherapeutische Störfeldsuche und –therapie werden sowohl bei primärer Dysmenorrhoe und Wunsch nach hormonfreier Behandlung als auch bei nachgewiesener Endometriose nach operativer Sanierung der Herde zur Rezidivprophylaxe eingesetzt.

Die Phytotherapie kennt verschiedene Behandlungsansätze in der Endometriose-Therapie. Eingesetzt werden Heilpflanzen, die hormonell regulierend (wie Himbeerblätter und Frauenmantel) und solche, die schmerzlindernd wirken (zum Beispiel Melisse und Gänsefingerkraut). Ergänzend können auch die Funktion der Ausscheidungsorgane unterstützende Heilpflanzen wie die Goldrute und die Schafgarbe. Hilfreich zur Normalisierung einer begleitend gestörten Darmfunktion können die Pfefferminze und Kamillenblüten sein (z.B. in Myrrhinil Intest). Poly- und Dysmenorrhoe können nachweislich gut mit Vitex agnus castus, Mönchspfeffer, therapiert werden. Dieser muß oral in Tabletten- oder Tropfenform täglich morgens nüchtern eingenommen werden.
Speziell der Frauenmantel hat eine gestagenähnliche Wirkung und ist darum zur symptomatischen Therapie der Endometriose ebenso wie zur Rezidivprophylaxe im Stadium 1 und ggf. auch 2 gut geeignet. Hier bietet sich entweder die Applikation als Heiltee oder aber, gerade auch zur längerfristigen Einnahme, die Alchemilla Urtinktur, zum Beispiel von Alcea, an.


Heilpflanzen bei Endometriose
Schafgarbe
Goldrute
Schachtelhalm
Frauenmantel
Melisse
Himbeerblätter
Gänsefingerkraut

Heiltee jeweils mit den angegebenen Heilpflanzen jeweils zu gleichen Teilen mischen lassen. Täglich ca. 2 – 3 Tassen (500 ml) im Sinne einer Kur trinken. Dazu ca. 2 EL Heilpflanzenmischung mit dem nicht mehr kochenden Wasser übergiessen und 5 – 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen.

Die anthroposophische Medizin kennt zahlreiche Arzneien zur symptomatischen und ursächlichen Therapie der Endometriose. In einer Anwendungsbeobachtungsstudie werden zur Zeit die Therapieerfolge mit Helixor M Se 1, einem Mistelganzpräparat sowie Helleborus niger D6 aquos. prospektiv evaluiert.

Symptomatisch können zudem Schüssler Salze, zum Beispiel die Nr. 7, Magnesium phosphoricum, die Aromatherapie, beides gerade auch zur Linderung der endometriose-bedingten Dysmenorrhoe, sowie die Bach-Blüten-Therapie zur Anwendung kommen. Bach-Blüten werden vor allem zur Therapie psychischer Beschwerden eingesetzt.

Begleitend zu den vorgenannten komplementären Therapieformen empfiehlt sich immer der Einsatz antiphlogistisch wirksamer Enzyme wie Wobenzym, Mucozym usw. Dieses gilt insbesondere für die postoperative Situation.

Viele der an Endometriose erkrankten Frauen leiden unter einer gestörten Darmflora und damit unter einer gestörten Darmfunktion. Diese lässt sich im Sinne der mikrobiologischen Therapie durch Zufuhr von Symbionten normalisieren, was in Folge dazu führt, dass sich das darmassoziierte Immunsystem und also auch die Endometriose stabilisiert. Dazu kommen Präparate wie Symbioflor oder Mutaflor und auch SymbioLact Comp. in Betracht. Es empfiehlt sich vor Therapiebeginn die mikrobiologische Diagnostik der Darmflora, um gezielt und damit effektiv therapieren zu können.

Alle komplementären Maßnahmen brauchen bis zum vollen Wirkungseintritt ihre Zeit. Es empfiehlt sich, die gewählte Therapieform über zumindest 2 Zyklen durchzuführen, ehe man den Nutzen für die betroffene Frau abschließend beurteilen kann.

Jede chronische Erkrankung bedarf umfassender und kompetenter Therapie auf allen Ebenen des Mensch-Seins, also den Körper, die Seele und den Geist meinend. Nur mit einem umfassenden und kompetenten konventionellen wie komplementären medizinischen Konzept wird die an Endometriose erkrankte Frau Hilfe erfahren, beschwerdefrei werden und hoffentlich auch bleiben. Dieses wissen die betroffenen Frauen, dieses vermitteln die Selbsthilfegruppen. Wir Mediziner können das Wissen um komplementäre Therapieansätze in unser eigenes therapeutisches Konzept integrieren oder aber mit kompetenten Kollegen anderer Berufsgruppen, die diese Therapien beherrschen, im Sinne eines Netzwerkes zusammenarbeiten. Heutzutage ist ein solches integratives Konzept „state of the art“, um unsere Patinnen optimal betreuen zu können.

Weiterführende Literatur:

Gerhard / M. Kiechle: Gynäkologie Integrativ. Konventionelle und komplementäre Therapie. Urban & Fischer, München, 2006

Margret Madejsky: Alchemilla. Eine ganzheitliche Kräuterheilkunde für Frauen. Goldmann Verlag, München, 2000

Dr. med. Christiane Northrup: Frauenkörper – Frauenweisheit. Verlag Zabert Sandmann, München, 2002

Literatur darüber hinausgehend bei der Verfasserin

Verwendung von Cookies


Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung


Hier erfahren Sie alles zum Datenschutz OK