Die Bedeutung von Zink in der Gynäkologie

Hubertus J. Buchheit


Schon in der Alt-Ägyptischen und Alt-Chinesischen Medizin wird eine Behandlung mit Zink erwähnt. So wird im chinesischen Arzneibuch „Pen tsao“ Zink als Hämostypticum bei der Behandlung von Blutungen und schlechter Wundheilung angegeben. Doch bis in die Neuzeit war Zink außerhalb der Homöopathie völlig verlorengegangen. Erst in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit der rasanten Entwicklung der Enzym- und Neurochemieforschung kam dem Element Zink immer mehr Bedeutung zu. – Zink gehört mit den beiden anderen Elementen der Zinkgruppe, Kadmium und Quecksilber, zu den sog. Übergangselementen. Durch die konstante Besetzung ihrer Außenschale mit 2 Elektronen fehlt ihnen die Neigung zu weiterer Elektronenaufnahme. Andererseits erklärt sich hierdurch die leichte Elektronenabgabe unter Bildung 2-wertiger Kationen. Da Zink eines der wichtigsten Spurenelemente im Organismus ist, erklärt sich die hohe Toxizität von Kadmium und Quecksilber.


Im menschlichen Organismus sind etwa 2 bis 4 g Zink enthalten. So enthalten die Eierstöcke pro 100 g Gewebe etwa 20 mg Zink. Im Gehirn sind besonders der Hypothalamus und die Hypophyse stark zinkhaltig, was auf die Bedeutung von Zink im Hormongeschehen hinweist. Da bei Amalgamplombenträgerinnen hohe Quecksilbergehalte im Gehirn nachgewiesen werden konnten, läst sich erklären, dass bei Frauen mit primärer bzw. sekundärer Amenorrhö oft allein nach Entfernung der quecksilberhaltigen Amalgamfüllungen bereits nach wenigen Wochen spontan eine Menstruation eintritt. Da im Tabakrauch ein hoher Kadmiumgehalt vorliegt, erklärt sich weiterhin, dass Raucherinnen durch eine Atrophie der Ovarien steril werden und früher in die Menopause kommen.


Auch die Haare sind stark zinkhaltig. So hat auch die Alopezie, wobei oft nicht nur die Kopf- sondern meist auch die übrige Körperbehaarung inklusive der Schambehaarung betroffen ist, in den meisten Fällen ihre alleinige Ursache in einem durch Amalgamfüllungen ausgelösten Zinkmangel.


Bis heute sind mehr als 200 Enzyme bekannt, deren Wirkung von Zink abhängig ist. Bereits 1977 wurde darauf hingewiesen, dass es bei langjähriger Einnahme von Ovulationshemmern zu einer Verringerung von Zink kommt. Die weiterhin berichtete Zunahme von Krebs der Organe Uterus und Mamma nach langjähriger Einnahme der „Pille“ oder einer hormonellen Ersatztherapie im Klimakterium und in der Menopause lässt sich leicht erklären, wenn man nur an die an Zink gekoppelte Wirkung der Carboxypeptidase auf diese beiden Organe denkt. Gerade in der Gynäkologie spielt der Abbau von intrazellulärem Material (Autophagie) eine große Rolle. Durch Autophagie erfolgt die Atrophie der Mammadrüsen nach der Laktation und die des Uterus nach einer Schwangerschaft. Auch die Größenabnahme der beiden Organe im menstruellen Zyklus und in der Postmenopause ist durch Autophagie bedingt. Auch die Myombildung in der Gebärmutter hat oft ihre alleinige Ursache in einem Zinkmangel.


Weiterhin ist wegen seiner Relevanz für die DNA-Synthese und auch für die Protein-Biosynthese eine Prüfung des Zinkspiegels in einer Schwangerschaft dringend notwendig. So wurde bei Schwangeren mit einem Zinkdefizit ein hoher Anteil von toten und mangelhaft entwickelten Feten beobachtet. Die teilweise vorkommenden neurologischen Mißbildungen einschließlich der Anenkephalie waren mit dem Zinkdefizit entweder direkt durch Beeinträchtigung der DNA- und Metalloenzymsynthese oder indirekt durch Wirkung auf die Teratogenese verbunden. Deshalb können heutzutage neurologische Schäden bei Neugeborenen als Teil eines Zinkmangelsyndroms betrachtet werden. Weiterhin werden bei Zinkmangel auffallend Komplikationen unter der Geburt beobachtet, wie Wehenstillstand, Wehenschwäche und verstärkte Blutungen.


Eine große Rolle spielt Zink als Bestandteil der Aromatischen L-Aminosäure-Decarboxylase bei der Synthese von Serotonin durch enzy¬matische Vorgän¬ge aus der essentiellen Aminosäure L-Tryptophan. Nervenzellen, die Serotonin als Neuro¬transmitter enthalten, sind vor allem der Hirnstamm und die Zirbeldrüse. Serotonin spielt eine große Rolle bei der Regulierung des Schlaf-Wachrhythmus, des Blutdrucks, des Wärmehaushaltes und in der Verhinderung depressiver Verstimmungszustände. Im Endokrinium regt Serotonin die Stoffwechselfunktion der Schilddrüse und der Nebennierenrinde an. Weiterhin kommt es durch Serotonin zu einer erhöhten Ausschüttung von Hormonen aus der Hirnanhangsdrüse (Hypo¬physe), was bei der Frau zu einer Stimulation der Eierstöcke zur Produktion von Östrogen führt. Durch einen besonderen Mechanismus wiederum kommt es zu einer zusätzlichen starken Östrogenproduktion im Follikel kurz vor dem Eisprung, was diesen dann in der Mitte des Zyklus auslöst. Diese zum Teil divergierende Wirkung von Serotonin auf die vita sexualis der Frau wird durch den Synergismus und den Antagonismus zwischen den beiden Hormonen der Hirnanhangsdrüse, dem Follikel stimulierenden Hormon (FSH) und dem luteinisierendem Hormon (LH) hervorgerufen. Dies bedeutet, dass eine hormonelle Fehlregulation, die aus einem durch Zinkmangel ausgelösten Serotoninmangel herrührt, kausal nur durch eine Substitution von Zink zu beheben ist. Allerdings sollte bei nachgewiesenem Serotoninmangel neben Zink auch L-Tryptophan substituiert werden.


Bei Dunkelheit wird in der Zirbeldrüse Serotonin in Melatonin umgewandelt, wobei die Biosynthese von Melatonin entscheidend gekoppelt ist an die Mitwirkung von zwei zinkabhängigen Enzymen: der N-Acetylase und der 5’-Hydroxyindol-O-Methyl-Transferase (HIOMT). Melatonin wirkt hemmend auf die Schilddrüsenfunktion und die Sekretion von luteinisierendem Hormon (LH) aus der Hypophyse, wodurch wiederum die Östrogensynthese in den Eierstöcken gehemmt wird. Hierdurch kommt es zu einer relativen Erhöhung von Testosteron, was bei weiblichen Säugern zu einer Erhöhung der aktiven Paarungsbereitschaft in der Dunkelheit führt, was wiederum Libidostörungen bei der Frau bei Zinkmangel erklärt. –


Die Biosynthese, d. h. die Hydroxylierung sämtlicher Hormone im Eierstock und in der Nebennierenrinde, sowie von Vitamin D3 in der Niere ist obligat an das Vorhandensein der zinkhaltigen DPN-Cytochrom-c-Reduktase gekoppelt. – Wei¬terhin hemmt Zink das Enzym Aromatase und somit die Synthese von Östron und Östradiol aus Testosteron, was bei der Entstehung eines hormonab¬hängigen Mammakarzinoms von großer Bedeutung ist. –
Die Untersuchung des Zinkspiegels sollte grundsätzlich im Vollblut und nicht im Serum oder Plasma erfolgen, da sich Zink zu mehr als 80 % intrazellulär befindet. Die Bioverfügbarkeit von Zink, das an Aminosäuren gebunden ist, ist am höchsten und deshalb diesen Produkten der Vorzug zu geben.





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