Stellenwert des Lifestylemanagement bei gynäkologischen Tumoren
Stellenwert des Lifestylemanagement bei gynäkologischen Tumoren zur Primär- und Sekundärprävention
Prof. Dr. Ingrid Gerhard
Inzidenz und Mortalität des Mammakarzinoms haben in den vergangenen Jahrzehnten in den Industrienationen zugenommen. Deshalb müssen Lebensstil- und Umweltfaktoren als Auslöser in Betracht gezogen werden. Neben den gesicherten Faktoren im Rahmen des Fortpflanzungs- und Zyklusgeschehens spielen endokrine Disruptoren aus der Umwelt (bspw. Pestizide, Phtalate, künstliches Licht) und der Nahrung bei allen hormonabhängigen weiblichen Tumoren ebenso eine Rolle wie der Energiequotient, der durch Bewegung und Nahrungszusammensetzung ganz entscheidend modifiziert werden kann.
Das Zervixkarzinom ist der einzige maligne Tumor, dessen infektiöse Ursache zweifelsfrei geklärt ist. Neben der Verhütung der Infektion durch Vorsichtsmaßnahmen beim Geschlechtsverkehr, effiziente Screeninguntersuchungen auf Krebsvorstufen und naturheilkundlich regulative Therapie derselben besteht die große Chance, in absehbarer Zeit durch Impfungen gegen HPV (Humanes Papilloma Virus) die Erkrankung zu verhindern.
Das Ovarialkarzinom hat von allen gynäkologischen Tumoren die schlechteste Prognose. Eine Reduktion der Ovulationen durch Schwangerschaften, Stillen, orale Kontrazeption oder Sterilisation wirkt protektiv. Auch bestimmte Ernährungsmuster, wie bspw. der Gemüse-, Kaffee- und Teekonsum, können vermutlich schützend wirken.
Auf Grund der vorliegenden Daten besteht keine Frage, dass durch effiziente Lebensstilberatung und Begleitung der Frauen bei ihrer Umsetzung gynäkologische Tumore verhindert werden können. Zur Sekundärprävention liegen dagegen nur spärliche Ergebnisse vor. Bei den hormonabhängigen Tumoren steht die Modulation des Steroidstoffwechsels und Immunsystems im Vordergrund, wobei geeignete Ernährungs- und Bewegungsformen die medikamentöse Therapie unterstützen können. Bei einigen Tumoren gibt es Hinweise auf positive Effekte von Nahrungssupplementen. Das Eingebundensein in ein soziales Netz, mentale Techniken und eine positive, selbstbestimmte Lebenseinstellung verbessern die Lebensqualität. Unter welchen Umständen sie jedoch eine Lebensverlängerung bewirken, muss noch geklärt werden.
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