Wohngifte - dicke Luft in Innenräumen
Dr. Manfred Mirau
In Innenräumen gibt es unzählige chemische Stoffe aus z.B. Baumaterialien, Kunststoffen, Klebern, La-cken, Farben, Beschichtungen, Geräten, Teppichen, Tapeten, Textilien, Matratzen, Möbeln, Reini-gungs-, Holzschutz- oder Insektenvernichtungsmitteln. Allergien, Asthma, Atemwegsbeschwerden, chronische Schleimhautreizungen und Infektionen oder Haut- und Augenkrankheiten – also alles Krankheiten von in direktem Kontakt mit der umgebenden Luft stehenden Organen – nehmen seit Jahren zu.
Drinnen findet man meist kritischere Mengen an giftigen Lösemitteln, Bioziden, Kohlendioxid oder Staubteilchen als draußen. So teilte das Bundesgesundheitsamt mit, dass die Schadstoffkonzentration in ungelüfteten Wohnräumen bereits nach einer Stunde höher sei als auf Hauptstraßenkreuzungen in Groß-städten. Wir halten uns den Großteil unseres Lebens in Gebäuden auf, im Schnitt mehr als 80 %, atmen somit überwiegend Innenraumluft ein. Sind hier Schadstoffe vorhanden, ist man ihnen auf Dauer ausge-setzt, tagsüber und auch nachts während der besonders sensiblen Schlaf- und Regenerationsphase.
Einige Schadstoffe beschäftigen uns seit Jahrzehnten und sind mittlerweile allgemein als gesundheits-schädlich eingestuft: Das immer noch vor allem in Spanplatten eingesetzte Formaldehyd, manche Lö-semittel wie die Nervengifte Benzol und Toluol mit krebserzeugender bzw. krebsverdächtiger Wirkung, der Holzschutzmittelwirkstoff Pentachlorphenol (PCP), der oft mit hochtoxischen Dioxinen ver-schmutzt war, die Insektizide Lindan oder DDT, polychlorierte Biphenyle (PCB) in älteren Dichtungs-massen oder Asbestfasern in vielen Dämm- und Baumaterialien. Bei diesen Wohngiften können auch heute noch, obwohl sie inzwischen verboten oder zumindest in der Anwendung beschränkt sind, als Alt-last überhöhte Konzentrationen in Innenräumen auftreten.
Andere Chemikalien sind vergleichsweise neu auf dem Markt. Als Insektizide haben sich Pyrethroide etabliert, vor allem Permethrin. Man findet es häufig in Schurwollteppichen. Insekten- bzw. Motten-schutzpräparate enthalten Chlorpyrifos (in den USA mittlerweile verboten) mit Verdacht auf nervenschädigende Wirkungen. In Wasser-verdünnbaren, als Lösemittel-frei deklarierten und mit dem Blauen Engel versehenen Farben oder Lacken werden Glykole verarbeitet, die langsamer ausgasen als frühere Lösemittel und somit zu erhöhten Luftkonzentrationen über Jahre führen können. In allen Innenräumen findet man mittlerweile Weichmacher aus Kunststoffen, speziell PVC. Bei ihnen gibt es den dringenden Verdacht auf kritische Hormon-ähnliche Wirkungen, bei Kinderspielzeug sind sie teilweise verboten.
Wie stark sich all diese Substanzen in der Atemluft anreichern, hängt entscheidend von der Lüftung ab. Die erforderliche Luftwechselrate von einmal pro Stunde wird meist unterschritten. In modernen Bau-ten findet man oft nur noch einen Luftwechsel von 0,1, d.h. es gibt nur 10% frische Luft pro Stunde.
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