Nahrungsergänzung in der Schwangerschaft ...
Nahrungsergänzung in der Schwangerschaft: wichtige Maßnahme für eine gesunde nächste Generation
Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard
Durch veränderte Lebensbedingungen und Ernährungsgewohnheiten machen sich Nährstoffmängel nicht erst im höheren Lebensalter bemerkbar, sondern können bereits im Mutterleib Einfluss auf die frühe kindliche Entwicklung und das spätere Leben des Erwachsenen ausüben. Kritisch ist die Versorgung der Schwangeren mit den Vitaminen Folsäure, Vitamin B6, B12, A und D, den Mineralstoffen Jod, Eisen, Selen, Zink, Magnesium und Kalzium, den Fettsäuren Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA) und dem Vitaminoid L-Karnitin. Besonders in Risikogruppen (best. chronische Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, Fehlernährung, zu rasche Schwangerschaftsfolge u.a.) kann ein Mangel an Mikronährstoffen bereits zu Unfruchtbarkeit, Fehl- und Totgeburten und Missbildungen führen.
Bereits präkonzeptionell sollten 400-800µg Folsäure pro Tag verabreicht werden, um Neuralrohrdefekten vorzubeugen. Durch die gleichzeitige Zufuhr von Thiamin, Niacin, Pyridoxin, Cobalamin konnte die Häufigkeit von Spaltmissbildungen weiter reduziert werden. Eine Zinksupplementierung könnte für schlecht ernährte Frauen mit Proteinmangel und Raucherinnen sinnvoll sein, da ein Zinkmangel ebenfalls mit Missbildungen, bes. Kiefer-Gaumenspalten, korreliert ist. Auch die Jodsupplementierung (100-150µg/Tag) ist obligat, da die Kinder dann signifikant seltener an einer Struma leiden und die mentale und motorische Entwicklung günstiger ist als bei mütterlichem Joddefizit. Bei den fettlöslichen Vitaminen ist zu berücksichtigen, dass sowohl ein Mangel als auch eine zu hohe Zufuhr ungünstig sind, weshalb sie individuell in Abhängigkeit von der Anamnese ergänzt werden sollten. Da viele europäische Schwangere besonders in den Wintermonaten an Vitamin D – Mangel leiden und die Knochendichte der Kinder bereits von der Vitamin D – Versorgung im Mutterleib abhängt, sollte zumindest in den Wintermonaten jede Schwangere mit Vitamin D (400IE) supplementiert werden.
Im Vortrag wird eingehend auf die besondere Situation von vorausgegangener und bestehender Risikoschwangerschaft eingegangen, die Datenlage zur Supplementierung mit standardisierten Multivitaminpräparaten und die Möglichkeiten der orthomolekularen Diagnostik.
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