Ernährung und Brustkrebsrisiko

Prof. Dr. Harald Meden


Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung der Frau in Westeuropa und in den USA. Etwa jede zehnte Frau erkrankt im Verlauf ihres Lebens an Brustkrebs. Im Jahr 2004 starben in Deutschland 17.590 Frauen an Brustkrebs (Statistisches Bundesamt Wiesbaden). Die Brustkrebshäufigkeit unterscheidet sich deutlich in den verschiedenen Kontinenten und Kulturkreisen. Angesichts der Häufigkeit von Brustkrebs in Deutschland stellt sich die Frage, inwieweit Ernährung und allgemeine Lebensführung Risikofaktoren beinhalten und inwieweit sich diese Risikofaktoren reduzieren lassen. Hierzu gibt es folgende aktuelle wissenschaftlichen Erkenntnisse: Zwei wesentliche Faktoren, die das Brustkrebs-Erkrankungsrisiko einer Frau verändern können, sind Ernährung und Bewegung. Da spielen Gesamtenergiezufuhr, körperliche Aktivität durch Bewegung und Sport sowie die Zufuhr bioaktiver Pflanzenstoffe aus Nahrungsmitteln eine wesentliche Rolle. Fettreiche Ernährung spielt für das nahrungsabhängige Brustkrebserkrankungsrisiko eine wichtige Rolle. Frauen, die während Ihres Erwachsenenalters einen Gewichtsanstieg von mehr als 2 kg erfahren, haben proportional zur weiteren Gewichtszunahme eine Zunahme des Brustkrebs-Erkrankungsrisikos in der Zeit nach Eintritt der Wechseljahre (Tretli 1989, Ziegler et al 1996, Huang et al 1997). Im Umkehrschluss kann eine erwachsene Frau mit hoher Wahrscheinlichkeit in jedem Lebensalter ihr Lebenszeitbrustkrebsrisiko durch Gewichtsabnahme bei Übergewicht und Normalisierung des Körpergewichts senken. Um das Brustkrebsrisiko insgesamt niedrig zu halten, ist ein Body Mass Index (BMI) zwischen 18 und 25 optimal. Mit zunehmendem Lebensalter steigt bei Übergewicht das Brustkrebsrisiko. Ungesättigte Fettsäuren spielen in der Brustkrebsentstehung eine wesentliche Rolle. Untersuchungen in Südeuropa zeigen, dass die dortigen niedrigen Brustkrebsraten möglicherweise mit dem Konsum von Olivenöl in Kombination mit gemüsereicher Ernährung zusammenhängen. Die Eiweißzufuhr hat wahrscheinlich wenig Einfluss auf das Brustkrebsrisiko. Hohe Temperaturen bei der Fleischzubereitung (über 180° C) sollten vermieden werden, um die Entstehung heterozyklischer Amine zu vermeiden. Kohlenhydrate haben keinen direkten Einfluss auf das Brustkrebsrisiko, solange kein Übergewicht besteht und keine Stoffwechselstörungen vorliegen. Chronisch erhöhte Insulinwerte sind mit erhöhten Spiegeln von Wachstumsfaktoren verbunden, die das Brustkrebsrisiko möglicherweise erhöhen. Der gezielte Verzehr von Obst und Gemüse hat nach dem derzeitigen Kenntnisstand wenig Einfluss auf das Brustkrebsrisiko. Übermäßiger Alkoholkonsum steigert das Brustkrebsrisiko, insbesondere bei Folsäuremangel und in Verbindung mit einer Östrogentherapie.




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