Die Schmerzhaftigkeit des inneren Genitales der Frau nach Kohabitation

Ein Tabuthema oder ein häufiger Irrtum? (Dr. B. Ost)


Ein häufiges Problem in der gynäkologischen Sprechstunde:

Die Schmerzanamnese ist immer gleich. Nach Geschlechtsverkehr klagt die junge Frau über Schmerzen im Unterleib, welche etwa 1 bis 2 Stunden nach Kohabitation einen Schmerzgipfel erreichen und 2 bis 5 Tage durchschnittlich anhalten können. Der Verkehr selbst war i. d. R. auch schon etwas schmerzhaft.

Die gynäkologische Tastuntersuchung ergibt einen deutlichen Portioschiebeschmerz und da nicht jede beginnende Entzündung sofort mit entsprechenden Entzündungsparametern bei der Laboruntersuchung einhergeht, liegt der Verdacht einer Entzündung des inneren Genitales durchaus nahe, zumal man sich durchaus beim Geschlechtsverkehr leicht eine Infektion einfangen kann. Wenn man bei der Anamnese allerdings schon einen Unterschied in der Positionierung der Geschlechtspartner hinsichtlich einer solchen Schmerzentstehung eruieren kann, liegt der Verdacht einer reinen mechanischen Überstrapazierung des Aufhängeapparates des inneren Genitales der Frau nahe (bes. bei jungen Frauen mit sehr straffen Mutterbändern). Also sollte man die Frage stellen, ob dieser Schmerz lageabhängig ist (z. B. ob die Frau unten oder oben liegt).

Je nach anatomischen, genitalen Gegebenheiten beider Partner können sich rein mechanisch gewisse Kongruenzprobleme ergeben, welche bei der Frau zu anhalten Schmerzen führen.

Hier handelt es sich häufig um ein Problem, welches besonders in der Anatomie der Vagina begründet ist. In jedem medizinisch–anatomischen Lehratlas ist die Portio (Muttermund) am Ende der Vagina positioniert. Die Wirklichkeit aber lehrt uns, dass die Anatomie der Vagina mit Portio genauso variabel sein kann wie jeder andere Körperbereich eines Menschen.

So kommt es relativ häufig vor, dass die Portio eben nicht zentriert am Ende der Vagina positioniert ist, sondern durchaus an der vorderen Scheidenwand einige Zentimeter früher in das Lumen der Vagina hineinragt. Die Endstrecke der Vagina ist manchmal 3 bis 5 cm länger. Damit ist häufig der Ärger vorprogrammiert, denn das männliche Glied zielt beim Verkehr genau in den Winkel zwischen vorderer Vaginalwand und Portio und dadurch wird der gesamte Halteapparat (bes. die Mutterbänder) erheblich überbeansprucht.

Je nach Stellung beim Verkehr kann sich automatisch eine andere Stoßrichtung des männlichen Gliedes ergeben und die Portio einfach passiert werden, sodass die gesamte Vaginallänge zur Verfügung steht und keine Schmerzen auftreten.

Der gute Rat an die Patientin, sich auf die anatomischen Kongruenzprobleme technisch einzustellen, erspart der Patientin unsinnige Antibiotika und schafft enormes Vertrauen, da sie i. d. R. noch nie zuvor ein Frauenarzt in dieser Weise aufgeklärt und Abhilfe für ihre Beschwerden erreicht hat.

Lageveränderung beim Verkehr muss nicht zwangsläufig die ultima Ratio eines schmerzfreien Verkehrs sein. Sowie die Frau die geschilderte Anfangssymptomatik erspürt, kann sie auch in ungünstiger Lage bleiben, wenn das männliche Glied manuell herunter gedrückt wird und somit einige weitere Zentimeter Eindringtiefe problemlos erreicht werden.




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