Ganz und wohlig Frau sein
Dr. Anja Maria Engelsing
Wie wichtig eine funktionierende Scheidenflora für das Wohlempfinden und Gesundsein von uns Frauen ist
Körper, Seele und Geist sind eins. Das wird immer dann spürbar, wenn es uns nicht gut geht, wir nicht gesund sind, uns nicht rundum wohl fühlen. Für viele Frauen ist eines der häufigsten und lästigsten Probleme eine wiederkehrende Scheidenentzündung.
Erkrankungen der Frauenorgane sind lästiger und leidvoller als grippale Infekte oder Schnupfen, weil sie so ganz direkt und spürbar unser Frau-Sein betreffen. Den Ort des In -Liebe-Seins, der Sexualität. Weil bei einer Entzündung der Ausfluss, der oftmals quälende Juckreiz, das Brennen ständig daran erinnern, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist.
Diese Beschwerden gehören zu den häufigsten Gründen, warum Frauen ihre Frauenärztin, ihren Frauenarzt aufsuchen. Das übliche Vorgehen besteht darin, dass nach der gynäkologischen Untersuchung der Frau ein Abstrich ihrer Scheidenflora im Mikroskop untersucht wird. Zeigen sich darin Candida-Pilze, wird ein Antimykotikum, ein Pilzmittel, verschrieben. Eine Vermehrung von Bakterien wird mit örtlich wirkenden Antibiotika therapiert. Auch Antimykotika sind wie Antibiotika „Chemotherapeutika“, chemisch hergestellte Substanzen, die die unerwünschten Keime abtöten und so zu einer Gesundung führen sollen. Dieses funktioniert in aller Regel zumindest die ersten Male sehr gut. Leider kehren aber die Beschwerden fast immer früher oder später zurück und sind dann nicht mehr so einfach zu behandeln. Die örtliche Therapie muss über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden, oder die Substanzen werden zusätzlich oral, also in Tablettenform, verabreicht. Je häufiger dieses der Fall ist, umso häufiger entstehen Resistenzen, die angewendeten Medikamente wirken nicht mehr, weil die Keime immun gegen die wiederkehrende Behandlung geworden sind.
Ein Teufelskreis! Und das Leid der Betroffenen lässt sich kaum erahnen. Gefühle von Minderwert treten auf, „Mit mir stimmt etwas nicht“, Niedergedrücktsein. Viele Frauen organisieren ihren Alltag zunehmend um ihre Angst vor einer erneuten Infektion herum, vermeiden Schwimmbadbesuche, Sauna, tragen nur noch kochbare Wäsche, halten ständige Anti-Pilz-Diäten, haben panische Angst vor fremden Toiletten. Und nicht selten stellen sich Probleme in der Partnerschaft ein, weil Sexualität Angst macht vor erneuter Entzündung, weh tut, und darum keine Lust mehr macht, vermieden wird.
Die Lösung dieser immensen Probleme kann nur die Naturheilkunde und das Wissen um die eigentlichen, natürlichen Zusammenhänge bringen.
Bei all dem wird nämlich die Bedeutung des Funktionierens der Scheidennormalflora völlig übersehen. Die vaginale Symbiose, das Zusammenspiel der funktionierenden Milchsäurebakterien, ermöglicht die bestmögliche Abwehr gegen mögliche krankmachende Keime wie Pilze oder Bakterien. Diese Milchsäurebakterien heissen auch nach ihrem Entdecker, Alfred Döderlein, Döderleinsche Bakterien. Die gesundmachenden, „guten“ Döderleinschen Bakterien bilden Milchsäure und sorgen so für den Säureschutzmantel der Scheidenschleimhaut, der ein Eindringen nicht gewünschter Keime verhindert. Ist diese „gute“ Döderlein-Flora nicht, oder nicht ausreichend, vorhanden, stellen sich früher oder später Scheideninfektionen ein. Und zwar nicht, weil die Frau irgendwo mit zum Beispiel Candida-Pilzen angesteckt worden ist, sondern weil ihre körpereigene Abwehr nicht mehr funktioniert hat. Dieses ist ganz einfach zu verstehen, und doch der Schlüssel zur Diagnostik und auch Therapie von Scheidenentzündungen. Die Frauenärztin, der Frauenarzt kann nämlich bei der üblichen Untersuchung zwar feststellen, ob Döderleinsche Bakterien im Scheidenabstrich vorhanden sind, aber nicht, ob diese funktionsfähig, also säurebildend sind. Dieses ist nur mittels einer Spezialuntersuchung möglich, die in einem Labor durchgeführt werden muss, das sich auf diese Diagnostik spezialisiert hat. Zur Zeit wird diese Untersuchung in Deutschland einzig vom Institut für Mikroökologie in Herborn angeboten.
Sie kann auch von Nicht-Gynäkologen, zum Beispiel naturheilkundlich arbeitenden Hausärzten /-innen oder Heilpraktiker /-innen durchgeführt werden, weil die Frauen die nötigen Abstriche selbst entnehmen können, es also keiner gynäkologischen Untersuchung im klassischen Sinne bedarf.
Was nun bedeutet eine nicht funktionierende vaginale Symbiose für die Therapie, was kann ich tun? Zunächst einmal müssen die Beschwerden symptomatisch therapiert und die gefundenen Erreger wie Pilze oder Bakterien behandelt werden. Dieses ist in aller Regel mit Mitteln aus der Naturheilkunde möglich.
Dazu helfen Sitzbäder oder Scheidenspülungen mit Frauenmantel, Schafgarbe und Zinnkraut, letzteres insbesondere bei Pilzinfektionen der Scheide. Bei diesen empfiehlt sich begleitend die Einnahme von Kapuzinerkresse, zum Beispiel in Form von Urtinktur. Sehr unterstützend wirkt auch das tägliche Trinken eines Heiltees, bestehend aus je 20 g Weiße Taubnessel, Ringelblume, Brennesselblätter, Schafgarbenkraut und Frauenmantelkraut. Zwei bis drei Esslöffel dieser Mischung werden mit ca. 500 ml kochendem Wasser übergossen, das ganze sollte dann 10 Minuten ziehen. Liegt eine bakterielle Scheidenentzündung vor, was durch die Nähe der Scheide zum Darmausgang nicht selten ist und leicht sein kann, empfiehlt sich die Ansäuerung des Scheidenmilieus, zum Beispiel mit Vitamin C-Scheidentabletten. Begleitend kommt bei bakteriellen Infekten die Einnahme von Lavendel, zum Beispiel als Urtinktur, in Frage.
Eine sinnvolle und dauerhaft gesundmachende Therapie muss aber immer auch das Nicht-Funktionieren der Scheidennormalflora behandeln, sonst ist ein Rückfall vorprogrammiert. Dazu dient die mehrwöchige Anwendung von Joghurt-Tampons oder besser Milchsäurescheidenzäpfchen, anfangs täglich, später zwei bis dreimal wöchentlich. Zeitgleich sollte über eine längere Zeit Milchsäure zum Beispiel in Pulverform eingenommen werden. So baut sich eine zunehmend stabilere, funktionierende Scheidenflora auf, der Teufelskreis ist durchbrochen.
Die Unterstützung der Scheidenflora mit „guten“ Döderlein-Bakterien sollte im folgenden immer dann erfolgen, wenn die Abwehrkräfte der Frau geschwächt sind, sei es durch andere Krankheiten, durch seelische oder überstarke körperliche Belastung. Und sie empfiehlt sich ebenso auch dann, wenn sich eine Antibiotika-Einnahme bei anderweitigen Erkrankungen nicht vermeiden lässt. Begleitend sollten dann allerdings auch Probiotika zur Sanierung des Darms eingenommen werden.
Wir sind alle ein Ganzes, und nie nur Teil. Wiederkehrende Entzündungen im Scheidenbereich lassen natürlich auch an eine gestörte Darmflora, zum Beispiel einen Darmpilzbefall, denken. Dieses sollte unbedingt mit abgeklärt werden.
Ganzheitliche Frauen-Heil-Kunde bedeutet, um die Wichtigkeit der Funktionsfähigkeit der Scheidennormalflora zu wissen und so eine dementsprechend gute Diagnostik und sanfte Therapie einleiten zu können. Dann können auch bei seelischen Gründen für körperliches Kranksein die richtigen Schlüsse gezogen werden.
Wenn die Regulation unseres Gesundseins wieder von alleine funktioniert, können wir uns als Frauen ungestört und rundum wohl fühlen. Was gäbe es Schöneres?
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