Neuraltherapeutische Behandlung der Ileosacralgie

Dr. Bernhard Ost


Die neuraltherapeutische Behandlung von Beschwerden, welche die Ileosacralgelenke betreffen, stellt eine der dankbarsten Indikationen für die Neuraltherapie dar.


Die Injektion in die Ileosacralgelenke ist relativ einfach und trotz der augenscheinlich gefährlich aussehenden Vorgehensweise mit einer sehr langen Kanüle (Sterican 20 G x 23/4 0,90×70 mm) völlig ungefährlich. Bei vielen neuraltherapeutischen Kursen, welche ich bisher geleitet habe, habe ich festgestellt, dass die Hemmschwelle der Kursteilnehmer gerade für diese Injektion außerordentlich groß war. Deswegen wurde gerade dieser Stich immer von mir auch praktisch in gegenseitigen Selbstversuchen in den Kursen praktiziert.

Mit kaum einer anderen neuraltherapeutischen Injektion hat man derart überzeugende Soforterfolge wie gerade mit diesem Stich in die Ileosacralgelenke.


Es sind vornehmlich Frauen, welche über Beschwerden im Ileosacralbereich klagen und ganz besonders Frauen nach mehreren Geburten.

Am Ende Einer Schwangerschaft wird der gesamte Bandapparat des Beckens hormonell aufgelockert, damit die knöchernen Anteile des weiblichen Beckens eine gewisse geburtsfreundliche Elastizität haben. Nach einer Geburt festigt sich der Bandapparat in vielen Fällen nicht wieder vollständig zurück und impliziert dauerhafte schmerzhafte Probleme im tiefen Rückenbereich. Mit dieser Symptomatik wandern viele Frauen über Jahre zwischen den verschiedenen medizinischen Fachdisziplinen hin und her ohne Abhilfe zu erhalten.


Der Standartproblemfall sieht folgendermaßen aus:

Eine Patientin mit Schmerzen im tiefen Rückenbereich konsultiert als Erstes einen Orthopäden. Dieser komplettiert seine klinische Untersuchung mit einer Röntgenaufnahme des Beckens. Sofern eine Arthose der Ileosacralgelenke vorliegt, hat man ja eine Diagnose, aber wenn bei jüngeren Frauen weder klinisch, noch röntgenologisch eine Erklärung für die Beschwerden zu finden ist, erfolgt der zwangsläufige Ratschlag des Orthopäden, dass diese Frau sich auch gynäkologisch untersuchen lassen soll.

Die gynäkologische Untersuchung aber ergibt ebenfalls kein fachspezifisches pathologisches Korrelat. Nun sagt der Gynäkologe der Patientin, dass sie unbedingt einen Orthopäden aufsuchen soll und die Patientin entgegnet, dass sie dort schon war und dieser nichts gefunden habe. Darauf kommt der scheinbar folgerichtige Rat, den Orthopäden zu wechseln.

Der neue Orthopäde findet ebenfalls nichts und rät der Patientin einen Gynäkologen aufzusuchen. Und so nimmt die Geschichte fast einen Verlauf wie ein Treppenwitz und die Patientin irrt weiterhin von einem Arzt zu anderen.

Diese Patienten kommen häufiger vor als man als Gynäkologe denkt und viele bleiben den Gynäkologen wegen der vordergründig orthopädischen Beschwerden verborgen.


Das typische Beschwerdebild sieht anamnestisch folgendermaßen aus:

Morgens schwieriges Aufstehen aus dem Bett wegen Schmerzen, welche aber nach einer Zeit des Einlaufens gemindert werden. Bücken geht nicht und wird durch senkrechtes Heruntergehen mit gebeugten Knien kompensiert.


Eine gut platzierte Injektion eines Lokalanästhetikums in die Ileosacralgelenke, an deren Innenseite der Plexus sacralis gelegen ist, kann die Beschwerden ad hoc beseitigen. Der Patient kann sich sofort nach der Injektion schmerzfrei bücken. Es kann sein, dass eine einzige Injektion ausreichend ist, aber in der Regel sind 2 bis 3 Behandlungen im Abstand von 2 – 3 Tagen erforderlich.

Die Technik dieser Injektion wird unterschiedlich gehandhabt. In den meisten Fällen wird diese Injektion beim liegenden Patienten mit Kissen unter dem Bauch vorgenommen.

Ich bevorzuge die sitzende Stellung weil sich durch starkes Bücken nach vorne (Katzenbuckel) der Gelenkspalt zwischen Kreuzbein und Darmbein deutlich weiter aufdehnt und der Nadeltreffer eine wesentlich höhere Erfolgsquote hat.


Eine Erfolgskontrolle meiner Injektion, ob sie tatsächlich intraartikulär oder nur präartikulär appliziert wurde, erreiche ich indem ich nicht sanft injiziere, sondern etwas heftig. Dadurch entsteht eine intraartikuläre Druckerhöhung, welche auch den Plexus sacralis tangiert.

Dieser strahlt mit sensiblen Fasen in beide Leistengegenden aus. Bei dieser etwas heftigen Injektion verspürt der Patient eine sehr deutliche Druckwelle bis in die Leisten. Somit eine Bestätigung meines Volltreffers. Im Falle einer präartikulären Injektion habe ich den Musculus gluteus maximus anästhesiert und muss mit einer temporären Lähmung dessen rechnen. Deswegen immer den Patienten mindestens 20 Minuten nach der Injektion in der Praxis verweilen lassen und ihn aufklären, dass solche temporären Lähmungen passieren können und keinerlei Querschnittslähmung vorliegt. Wenn der Patient aufgeklärt wurde, kann er sich durchaus auf diesen Muskelausfall einstellen und dennoch damit nach Hause humpeln.


Der genau definierte Punkt einer Injektion und die Applikationsweise in die Ileosacralgelenke bedarf einer entsprechenden Ausbildung.




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